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Geschichtliches
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Friedrich Harkort
Harkort in Hombruch
Zwischen Hagen und Gevelsberg auf einer Anhöhe am linken Ufer der Ennepe liegt das Gut Harkorten.
Dort ist Friedrich Harkort am 22. Februar 1793 als Sohn Johann Kaspers IV. und seiner Frau Henriette geb. Eibers aus Hagen geboren worden.
Er hat sieben lebende Geschwister. Eine ältere Schwester, zwei ältere und drei jüngere Büder. Den ersten Unterricht erhielt Fritz auf der Volksschule am Quambusch, die weitere Schulbildung auf der sog. »Handelschule« des Direktors Wiedemann in Hagen.
Von da kam er 1808 zu dem Kaufmann Mohl in Wichlinghausen in die Lehre, der ein blühendes Geschäft in Teppichen und anderen Webestoffen leitete. Seine einzige Tochter Auguste ist später Friedrichs Frau geworden.
Vorerst aber gab es noch eine Zeit der Trennung für die beiden Brautleute, da Friedrich mit seinem Bruder Gustav begeistert zu den Fahnen eilte, als der Ruf zur Befreiung von der Franzosenherrschaft das Ruhrgebiet durchlief.

An den Feldzügen 1813 und 1814 hat Friedrich im Westfälischen Landwehr-Füsilierregiment teilgenommen, wurde zum Offizier befördert, vor Jumetam 15. Juni 1814 zweimal verwundet und mit dem Eisernen Kreuz-— damals eine hohe Auszeichnung — belohnt.

Als der Vater im Jahre 1818 starb, erhielt der älteste Sohn Johann Kasper V. den Stammsitz Harkorten, während die übrigen fünf Brüder nach westfälischem Erbrecht abgefunden wurden. Friedrich legte zunächst bei Harkorten eine Gerberei für feinere Lederwaren an und betrieb am Deilbach bei Langenberg einen Kupferhammer.

Bald aber gab er beide Werke an Verwandte ab und gründete mit Heinrich Kamp eine Maschinenfabrik Harkort & Co. in der alten Burg in Wetter an der Ruhr.
Schon Ende 1822 wurde sie in der Staatszeitung als eine der »merkwürdigsten und bewundernswertesten Anstalten Deutschlands« bezeichnet. War es doch eine der ersten Fabriken in Preußen, die nach den Erfindungen der Engländer Dampfmaschinen baute.

Sein rastlos vorwärtsdrängender Geist erkannte bald, daß die Qualität des westfälischen Roheisens und das Eisengewerbe in Westfalen überhaupt in der Zeit der französischen Herrschaft stark zurückgegangen waren. Fertigwaren behaupteten sich noch auf dem Markt, aber das Rohprodukt konnte der englischen und schwedischen Konkurrenz nicht standhalten.

Auf einer Reise nach England hatte Harkort die großen Fortschritte kennengelernt, die England im Eisenfrisch verfahren, im sog. Puddeln, gemacht hatte. Sofort machte er in Zeitungsartikeln die deutsche Öffentlichkeit darauf aufmerksam, und da auf dieses Sturmläuten keiner seiner westfälischen Landsleute ans Werk ging, holte er sich selbst englische Arbeiter herüber und errichtete 1826 in Wetter ein Puddel- und Walzwerk. Dabei zeigte sich seine große Uneigennützigkeit in hellstem Lichte.
Er verschloß nicht sein neues Verfahren vor den Augen anderer, sondern er machte seine Fabrik allen Interessenten zugänglich und half ihnen sogar mit seinem Rat, wenn sie selbst eine ähnliche Fabrik anlegen wollten.
Seine Verwandten und Freunde tadelten ihn ob dieser Selbstlosigkeit, zumal da er vermögenslos und so wenig auf seinen Vorteil bedacht war. Er aber pflegte zu antworten:

„Mich hat die Natur zum Anregen geschaffen, nicht zum Ausbeuten — das muß ich anderen überlassen."

Und das blieb auch sein Leitsatz das ganze Leben lang.

Das Walzwerk lieferte Harkort die Möglichkeit, die Herstellung von Dampfkesseln in Angriff zu nehmen. Bisher hatte man in Deutschland dampfdichte Fugen nur durch Einschieben von Leinwandstücken zwischen die Berührungsflächen der Platten herstellen können. Jetzt gelang es Harkort, das englische Vorbild zu erreichen und selbst dampf dichte Kessel zu schmieden.
Sein Walzwerk wurde dadurch zur Musteranstalt, in der die großen Kesselfabrikanten des Industriebezirks — Stuckenholz, Moll, Berning-haus, Schäfer u. a. — gelernt haben. Dadurch erst wurde die deutsche Dampfmaschinen-Fabrikation aus der Abhängigkeit von England befreit.

Ein Ruhmesblatt im Leben Friedrich Harkorts ist seine Wirksamkeit für die Förderung des deuschen Eisenbahnwesens und der Rhein-Seeschiffahrt. Man hat irrtümlich Friedrich List als den ersten Deutschen gefeiert, der »die umwälzende Bedeutung der Eisenbahnen für Handel, Gewerbe und Volkswirtschaft, für die Kriegsführung, für die ganze Entwicklung der Kultur erkannte«.
Das ist nicht richtig. Als List 1833 seine Flugschrift: »Über ein sächsisches Eisenbahnsystem als Grundlage eines allgemeinen deutschen Eisenbahnwesens« erscheinen ließ, hatte Harkort bereits seit acht Jahren eine äußerst rührige Tätigkeit entfaltet, für seine Heimat Westfalen eine Eisenbahn ins Leben zu rufen.

Er ist der erste Herold des neuen Gedankens. Freilich, er hatte dauernd mit dem Widerstand der maßgebenden preußischen Behörden zu ringen. Er kündigte eine Revolution im Handel an im Gefolge der Eisenbahnen. Die Eisenbahnverbindung von Rheinland und Westfalen mit dem Meere bot die Aussicht, das rheinischwestfälische Gewerbe von der Abhängigkeit von Holland zu befreien.

»Man verbinde Elberfeld, Köln und Duisburg mit Bremen oder Emden, und Hollands Zölle sind nicht mehr«.

Als aber der Plan einer Kohlenbahn von Heisingen bei Steele nach Elberfeld auftauchte, da meldeten sich sofort die Gegner, die auf den Verlust des Staates an Straßengeideinnahmen und auf die Einbußen der Kohlenfuhr-' leute und Kohlentreiber hinwiesen.
Auch der Oberpräsident Vincke (Zum Gedenken wurde der Vincke-Turm neben der Hohensyburg Ruine errichtet) hatte anfangs Bedenken, da Harkort in seinem Zeitungsartikel vom 30. März 1825 ausgeführt hatte, er werde mit einer Dampfmaschine von acht Pferdekräften 1000 Scheffel Kohlen in drei Stunden von Steele zum Rheine schaffen und dadurch die Ruhrschiffahrtskasse »aufs Trockene setzen«.
Vincke brauchte die Ruhrschiffahrtskasse, die ihm Gelder lieferte für die Verbesserung der Ruhrschiffahrt, die ihm sehr am Herzen lag und für die er bis an sein Lebensende tätig war.
Als er aber die Nützlichkeit des Eisenbahnprojektes erkannt hatte, trat er alsbald für seine Verwirklichung in Westfalen ein.

Die Gefahr, die Bahn völlig scheitern zu sehen, rief wiederum Friedrich Harkort auf den Platz. Er veröffentlichte im März 1833 seine Schrift »Die Eisenbahn von Minden nach Köln« und stellte diesmal die Personenbeförderung und die militärische Bedeutung einer solchen Linie in den Brennpunkt seiner Darstellung.
Harkort hatte gleichzeitig praktische Arbeit geleistet und Vermessungen vornehmen lassen. Auf Grund dieser Arbeiten war schon im Dezember 1832 erschienen ein
»Plan des Terrains der Eisenbahn von Minden nach Köln und deren Seitenverbindungen, entworfen von Henze und Fr. Harkort, gezeichnet und lithographiert von W. Tangermann«.

Friedrich Harkort hatte die Genugtuung, daß die Linienführung der später, 1847, ausgeführten Köln-Mindener Bahn von Minden bis Gütersloh mit der auf dieser Karte vorgeschlagenen übereinstimmte.

Am 30. März 1835 machte Harkort seinem gepreßten Herzen einem Freunde gegenüber Luft: „Heute sind es 10 Jahre geworden, als ich im »Hermann« zum ersten Male über Eisenbahnen schrieb. Großes hätte man in Preußen erreichen, alles mit einem Schlage voranbringen können, wenn die Sache damals energisch angegriffen wurde ! Statt dessen ist nichts geschehen; wir haben noch nicht eine Meile Bahn, und unsere Nachbarn, das junge Belgien vorauf, schöpfen das Fett von der Suppe. Pfui über unsere unüberwindliche Schlafmützigkeit."
Es dauerte aber nochmals 10 Jahre, ehe die Köln-Mindener Bahn, 1845 bis 1847, in Verkehr genommen werden konnte.

Das Internet bietet reichlich Material um sich über Persöhnlichkeiten wie "Freiherr vom Stein", "Friedrich Harkort", "Heinrich Kamp", Oberpräsident Vincke", "Louis Berger" und andre zu informieren.


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